Veranstaltung

  • 26. März 2019 | 19.00 Uhr
  • Vortrag
  • Christian Saehrendt
  • „Zwischen Vernissage und Saalschlacht – Gegenwartskunst in den politischen Auseinandersetzungen der 1920er und 1930er Jahre“
    Vortrag von Christian Saehrendt  mit anschließender Diskussion, moderiert von Marc Wellmann

     

    In Zeiten komplexer Krisen und unübersichtlicher Transformationen fällt es schwer, eindeutige Zusammenhänge und Machtfaktoren zu benennen. Stattdessen müssen dafür Sündenböcke, Verschwörungstheorien und Projektionen herhalten. Neben Minderheiten und Unternehmern zählen auch Kunst und Künstler regelmäßig zu Blitzableitern des Volkszorns. In den 1920er und 1930er Jahren wurden die Ressentiments gegen Kunst besonders giftig und bedrohlich. Nicht nur das Spekulative des Kunstmarktes, der zum Symbol eines irrealen und heisslaufenden Kapitalismus schlechthin wurde, stand im Mittelpunkt der Kulturkritik jener Zeit, sondern auch die angebliche Isolation der Künstler vom „Volk“. Während etwa deutsche oder französische Kommunisten, die sich ideologisch an die Sowjetunion anlehnten, den Künstlern vorwarfen, sich vom Proletariat abzuwenden, behaupteten Nationalisten und Rechtsextreme, die Künstler würden sich abseits der patriotischen „Volksgemeinschaft“ aufhalten, und die modernen Kunstströmungen seien als „internationalistisch“ und „wurzellos“ abzulehnen. Diese Konflikte waren in verschiedenen Ländern zu beobachten, wiesen einerseits starke Parallelen aus, wurden andererseits sehr unterschiedlichen entschieden. Der Vortrag geht der Frage nach, warum moderne Kunst in der Zwischenkriegszeit gesellschaftlich hoch umstritten war und zeichnet auf internationaler Ebene die Strategie der extremen Rechten nach, moderne Kunst als prominentes Agitationsfeld zu nutzen.

     

    Dr. Christian Saehrendt ist Kunsthistoriker und Publizist populärwissenschaftlicher Bücher, bekannt u.a. durch seine Veröffentlichung „Ist das Kunst oder kann das weg? Vom wahren Wert der Kunst“ (Köln, 2016).

    Geb. 1968 in Kassel. 2002 Promotion an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Seitdem als freiberuflicher Historiker und Kunsthistoriker tätig. Lebt in Thun (CH).

     

    Publikationen von Christian Saehrendt zum Thema (Auswahl):
     „The art of Brücke as a political issue“ In: Christian Weikop (Hg.), New perspectives on Brücke expressionism: bridging history, Farnham (Ashgate) 2011.

    „Emil Nolde heute“ In: Manfred Reuther (Hg.), Nolde, Köln 2010.

    Der Stellungskrieg der Denkmäler. Kriegerdenkmäler im Berlin der Zwischenkriegszeit, Bonn 2004.

    Die Kunst der „Brücke“ zwischen Staatskunst und Verfemung. Expressionistische Kunst als Politikum in der Weimarer Republik, im „Dritten Reich“ und im Kalten Krieg, Stuttgart 2005.

    E. L. Kirchner: Bohème-Identität und nationale Sendung, Frankfurt 2003 (Dissertation, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg).

     

     

    Die Veranstaltung findet in deutscher Sprache statt und ist Teil des Rahmenprogramms zur Ausstellung GLOBAL NATIONAL – Kunst zum Rechtspopulismus

Dr. Christian Saehrendt