Veranstaltung

  • 01. Oktober 2018 | 20.00 Uhr
  • Lesung Kainszeichen e.V.
  • Harry Graf Kessler „Tagebücher“, 1918-1919
  • Lesung aus Harry Graf Kesslers „Tagebücher“, 1918-1919, organisiert von Kainszeichen e.V.

    Einführung: Hartmut Diekmann

    Vorleser: Roland Schäfer

     

    Harry Clemens Ulrich Graf von Kessler (1868-1937) hatte eine ganz eigene Welt zur Verfügung. In ihr bewegte er sich mit großer Entschlossenheit. Entweder war er allen anderen voraus, oder blieb auf eine ungeahnte Weise hinter allen zurück. Oder er war auf eine Weise gegenwärtig, dass es den Anderen schwindlig wurde. Unter seinen vielen Eigenschaften und Tätigkeitsfeldern wie Kunstsammler, Mäzen, Schriftsteller, Publizist, Pazifist, Verleger, Diplomat, Plauderer und unermüdlicher Kaffeehaus und Restaurantbesucher, besaß er noch eine in besonders hohem Maße: was ihm misslang, auch wenn er es mit der allergrößten Energie verfolgt hatte, das konnte er ohne Schmerzen aufgeben. Das verlieh ihm eine Beweglichkeit und seinen Handlungen eine Frische, die ihn über seine Zeitgenossen emporhob. In drei Kulturen, der englischen, französischen und deutschen, von Kindheit an vertraut, könnte er noch heute den Entwurf eines zukünftigen idealen EU-Bürgers abgeben. Als er fünfzig Jahre alt war, wechselte er das politische Pferd und ritt von rechts nach links. Er verdiente sich den Titel „Der rote Graf“. Er stellte in seiner Cranach Presse die kostbarsten Bücher her und lief in den Nächten der Novemberrevolution jedem Gewehrfeuer entgegen. Er war ein Universum, aus dem wir nur einen schwachen Kometenschweif erkennen lassen können. Aber auch das ist schon ungeheuerlich.
     
    Die Lesung konzentriert sich auf die Tagebuch-Passagen vom Ende 1918 bis Anfang 1919, in denen Graf Kessler als unmittelbarer Augenzeuge die Revolutionsereignisse festhält.

    Harry Graf Kessler als Offizier während des Ersten Weltkriegs (Fotografie von Rudolf Dührkoop, 1917)

    
    

    Kainszeichen e.V. ist bereits seit mehreren Jahren zu Gast im Haus am Lützowplatz und realisiert jeden zweiten Monat eine Lesung zu biblischen Motiven in der Weltliteratur. Die Veranstaltung findet statt im Rahmen der Ausstellung „November – Versuch über eine Revolution“ mit Werken von Robert Barta, Julius von Bismarck, Mariechen Danz, Tracey Moffatt, Bettina Pousttchi und Katja Strunz.

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